Aktualisiert am 12. Oktober 2026
Ausbildung beim Zoll: Krankenversicherung für Zollanwärterinnen und Zollanwärter
Ausbildung oder duales Studium beim Zoll: Ab dem ersten Tag gilt Beihilfe nach BBhV. Was zu Familienversicherung, Eignung, Fristen und Familie gilt.
Wer beim Zoll anfängt, beginnt mit einem Vorbereitungsdienst: mit der zweijährigen Ausbildung für den mittleren Dienst oder dem dreijährigen dualen Studiengang „Zolldienst des Bundes“ an der Hochschule des Bundes für den gehobenen Dienst (§ 3 MntZollDVDV, §§ 1 und 25 GntZollDVDV). Zollanwärterinnen und Zollanwärter sind in beiden Fällen vom ersten Tag an Beamte auf Widerruf des Bundes, mit Anwärterbezügen und Anspruch auf Beihilfe nach der Bundesbeihilfeverordnung (§ 2 Abs. 2 BBhV).
Weil der Zoll Bewerberinnen und Bewerber bis 49 Jahre einstellt, beginnen nicht alle direkt nach der Schule; manche kommen aus einem Beruf, mit Familie oder aus der Familienversicherung der Eltern. Dieser Beitrag zeigt, was sich am ersten Diensttag an Ihrer Krankenversicherung ändert, wie die Einstellungsuntersuchung des Zolls mit den Gesundheitsfragen der Versicherer zusammenhängt und welche Fristen laufen. Wie Anwärtertarife grundsätzlich funktionieren, erklärt der Beitrag Anwärtertarif in der PKV.
Auf einen Blick
- Zollanwärter sind Beamte auf Widerruf des Bundes: Beihilfe nach BBhV ab dem ersten Diensttag, meist 50 %.
- Mit der Ernennung endet die Familienversicherung; ohne Austritt führt die Kasse Sie freiwillig weiter.
- Die Einstellungsuntersuchung ersetzt keine Gesundheitsfragen; fragt der Versicherer nach Befunden, zählen auch ihre.
- Anwärtertarife haben oft eine Altersgrenze; wer später einsteigt, braucht unter Umständen gleich einen regulären Tarif.
- Kronen und Implantate zahlt die Beihilfe Anwärtern nur nach einem Unfall oder drei Jahren im öffentlichen Dienst.
Zwei Wege, ein Status
Die Ausbildung für den mittleren Dienst beginnt am 1. September. Die Theorie lernen Sie nach Angaben des Zolls in zwei Lehrgängen an einem der Ausbildungszentren in Erfurt, Leipzig, Plessow, Rostock oder Sigmaringen, die Praxis bei einem Hauptzollamt. Das duale Studium für den gehobenen Dienst beginnt am 1. März oder am 1. September; für die Fachstudien werden Sie an den Fachbereich Finanzen der Hochschule des Bundes abgeordnet (§ 29 Abs. 4 GntZollDVDV).
Rechtlich sind beide Wege Vorbereitungsdienst im Beamtenverhältnis auf Widerruf. Damit sind Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungsfrei (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V) und beihilfeberechtigt, weil Ihnen Anwärterbezüge zustehen (§ 2 Abs. 2 BBhV). Es gilt der Bemessungssatz aller aktiven Bundesbeamten, in der Regel 50 % (§ 46 BBhV). Ihre Einstellungsbehörde ist in der Regel ein Hauptzollamt, und für die Hauptzollämter setzt das Bundesverwaltungsamt die Beihilfe fest.
Eine pauschale Beihilfe als Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung gibt es beim Bund nicht. Wer gesetzlich versichert bleibt, zahlt den Beitrag aus den Anwärterbezügen allein; die Unterschiede beschreibt die Seite PKV für Bundesbeamte.
Was mit der Ernennung endet
Wer bisher über die Eltern oder den Ehepartner gesetzlich familienversichert war, verliert diesen Schutz mit der Ernennung. Familienversichert kann nur sein, wer nicht versicherungsfrei ist (§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB V), und Beamte auf Widerruf mit Anspruch auf Beihilfe sind versicherungsfrei. Das gilt unabhängig vom Alter, also auch für 18-Jährige, die in einer Ausbildung sonst bis 25 familienversichert bleiben könnten (§ 10 Abs. 2 Nr. 3 SGB V).
Ebenso endet die Pflichtversicherung, wenn Sie bisher als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer gesetzlich versichert waren. In beiden Fällen führt die Kasse Sie automatisch als freiwilliges Mitglied weiter, wenn Sie nicht binnen zwei Wochen nach ihrem Hinweis austreten und eine andere Absicherung nachweisen (§ 188 Abs. 4 SGB V). Wenn Sie in die private Krankenversicherung wechseln, schließen Sie den Vertrag deshalb vor dem Diensteintritt mit Beginn am Tag der Ernennung ab und reichen den Nachweis bei der Kasse ein.
Einstellungsuntersuchung und Waffentauglichkeit
Eingestellt wird nur, wer die gesundheitlichen Anforderungen an den Zolldienst erfüllt. Die Einstellungsbehörde veranlasst dazu eine ärztliche Einstellungsuntersuchung und trägt die Kosten (§ 17g MntZollDVDV, § 24 GntZollDVDV). Nach einem über FragDenStaat veröffentlichten Merkblatt für Amtsärztinnen und Amtsärzte zu den Untersuchungen beim Zoll (Stand Januar 2021) wird dabei unter anderem geprüft, ob Sie die gesetzliche Altersgrenze mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreichen; Anforderungen an Körpergröße und Sehstärke stellt die Einstellungsuntersuchung danach nicht.
Für den Dienst mit der Waffe gibt es eine eigene Tauglichkeitsuntersuchung mit strengeren Kriterien, nach dem Merkblatt etwa einer Mindestgröße von in der Regel 155 cm, einer Sehschärfe von mindestens 0,8 beidäugig oder auf dem besseren Auge, auch mit Brille oder Kontaktlinsen, und einem Belastungstest auf dem Ergometer. Seit dem Einstellungsjahrgang 2020 ist diese Waffenträgereignung nach dem Merkblatt keine Voraussetzung mehr für die Einstellung in den mittleren Dienst. Auch die Karriereseiten des Zolls nennen für den allgemeinen Zolldienst keine Mindestgröße, die Sehstärke zählt nur für Waffen tragende Bereiche und den Wasserzoll.
Für die private Krankenversicherung ersetzt keine dieser Untersuchungen die Gesundheitsfragen im Antrag. Anzugeben ist, was Ihnen bekannt ist und wonach der Versicherer in Textform fragt (§ 19 Abs. 1 VVG). Fragt er nach ärztlichen Untersuchungen oder Befunden, gehört ein Befund aus der Einstellungsuntersuchung dazu, auch wenn er Ihrer Einstellung nicht im Weg stand.
Fristen ab dem ersten Diensttag
Mit der Ernennung beginnt die Pflicht, den nicht von der Beihilfe gedeckten Teil der Krankheitskosten zu versichern (§ 193 Abs. 3 VVG); beantragen Sie den Vertrag später als einen Monat danach, kostet das einen Prämienzuschlag (§ 193 Abs. 4 VVG). Hinzu kommt die private Pflegepflichtversicherung, als Beihilfeberechtigte mit einem anteiligen, beihilfekonformen Tarif (§ 23 Abs. 3 SGB XI).
Bei Vorerkrankungen läuft zudem die Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion: Wer bisher nicht privat vollversichert war, wird in dieser Zeit ohne Leistungsausschlüsse und mit höchstens 30 % Zuschlag aufgenommen; nicht jedes teilnehmende Unternehmen nimmt allerdings Beamte auf Widerruf über die Aktion auf. Zählt man den Tag des Dienstbeginns mit, endet die Frist bei einem Start am 1. September Ende Februar, bei einem Start am 1. März Ende August; maßgeblich ist der Eingang des Antrags. Den Ablauf beschreibt die Seite PKV für Beamtenanwärter.
Für ältere Anwärterinnen und Anwärter wichtig: Anwärter- und andere Ausbildungstarife sind oft an eine Altersgrenze gebunden; für Ausbildungstarife allgemein nennt der PKV-Verband in der Regel das 39. Lebensjahr. Ob ein Versicherer Sie später noch in einen Anwärtertarif aufnimmt, regeln seine Bedingungen. Sonst kommt gleich ein regulärer Beihilfetarif in Frage, mit Alterungsrückstellungen und dem gesetzlichen Zuschlag von 10 % bis zum Kalenderjahr, in dem Sie 60 werden (§ 149 VAG). Weil bei der Öffnungsaktion nur der Versicherer gebunden ist, bei dem der erste verbindliche Antrag eingeht, lohnt vorher eine anonyme Risikovoranfrage; Beamtenberatung24 übernimmt sie und berät Zollanwärter telefonisch in allen 16 Ländern.
Mit Familie in die Ausbildung
Bringen Sie Kinder mit, gilt schon im Vorbereitungsdienst der höhere Bemessungssatz: 70 % ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern und während der Elternzeit (§ 46 Abs. 3 BBhV). Sind beide Eltern beihilfeberechtigt, erhält ihn nur, wer den Familienzuschlag für die Kinder bezieht. Ihr eigener Tarif muss dann nur 30 % abdecken.
Kinder erhalten 80 % Beihilfe, Ehe- und Lebenspartner 70 %, Partner aber nur, wenn ihre Einkünfte im zweiten Kalenderjahr vor dem Antrag 22.648 € nicht übersteigen (Stand 2026, § 6 Abs. 2 BBhV). Für Partner und Kinder, die mit Ihrer Ernennung berücksichtigungsfähig werden, gilt die Öffnungsaktion innerhalb derselben sechs Monate, auch wenn Sie selbst erst ab diesem Zeitpunkt privat versichert sind.
Ist Ihr Ehe- oder Lebenspartner gesetzlich versichert, können die Kinder dort beitragsfrei familienversichert sein. Dass Sie selbst nicht gesetzlich versichert sind, steht dem nur entgegen, wenn Ihr Gesamteinkommen höher ist als das des Partners und zugleich ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt (§ 10 Abs. 3 SGB V); 2026 sind das 6.450 € im Monat (§ 2 SVBezGrV 2026). Anwärterbezüge liegen weit darunter. Ob Familienversicherung oder Beihilfe mit privatem Kindertarif besser passt, sollten Sie vor dem Diensteintritt klären.
Zahnbehandlung, Unfall und Prüfungen
Für Beamte auf Widerruf und ihre Angehörigen schließt die Bundesbeihilfeverordnung Zahnersatz, Inlays und Kronen, Funktionsanalytik und Implantate aus (§ 17 BBhV). Für Quereinsteiger wichtig sind die Ausnahmen: Die Leistungen sind beihilfefähig, wenn sie auf einem Unfall während des Vorbereitungsdienstes beruhen oder wenn Sie zuvor mindestens drei Jahre ununterbrochen im öffentlichen Dienst beschäftigt waren, etwa als Tarifbeschäftigte in einer Behörde. Klären Sie vor dem Antrag, wie Ihr Tarif diese Lücke behandelt.
Ein Unfall bei Lehrgängen, Übungen oder dem Sporttest ist ein Dienstunfall (§ 31 Abs. 1 BeamtVG), das Heilverfahren übernimmt dann die Unfallfürsorge (§ 33 BeamtVG). Wird eine Anwärterin infolge eines Dienstunfalls dienstunfähig und entlassen, erhält sie neben dem Heilverfahren einen Unterhaltsbeitrag, bei völliger Erwerbsunfähigkeit 66,67 % der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge, die ihr bei einer Ernennung auf Probe zuerst zugestanden hätten (§ 38 BeamtVG).
Im mittleren Dienst können Zwischen- und Abschlussprüfung einmal wiederholt werden, in begründeten Fällen ein zweites Mal (§ 45 MntZollDVDV). Das Beamtenverhältnis auf Widerruf endet mit Ablauf des Tages, an dem Ihnen das Bestehen oder endgültige Nichtbestehen der Prüfung oder das endgültige Nichtbestehen der Zwischenprüfung bekannt gegeben wird (§ 37 Abs. 2 BBG). Nach Angaben des Zolls ist die Übernahme die Regel; dann stellen Sie den Anwärtertarif auf den regulären Beihilfetarif um.
Häufige Fragen
Ich bin 44 und beginne die Ausbildung beim Zoll. Bekomme ich einen Anwärtertarif?
Das hängt vom Versicherer ab. Anwärtertarife sind oft an eine Altersgrenze gebunden, und für Ausbildungstarife allgemein nennt der PKV-Verband in der Regel das 39. Lebensjahr. Nimmt Sie kein Versicherer mehr in einen Anwärtertarif auf, kommt gleich ein regulärer Beihilfetarif in Frage. Die Öffnungsaktion können Sie in beiden Fällen nutzen, wenn Sie bisher nicht privat vollversichert waren und der Antrag binnen sechs Monaten nach Dienstbeginn eingeht.
Kann ich bis 25 über meine Eltern familienversichert bleiben?
Nein. Mit der Ernennung zum Beamten auf Widerruf sind Sie versicherungsfrei, und die Familienversicherung endet (§ 6 Abs. 1 Nr. 2, § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB V). Waren Sie über beihilfeberechtigte Eltern privat versichert, haben Sie jetzt einen eigenen Beihilfeanspruch mit anderem Bemessungssatz; den Tarif passt der Versicherer auf Antrag binnen sechs Monaten ohne Risikoprüfung an (§ 199 Abs. 2 VVG).
Kann ich in der Ausbildung gesetzlich versichert bleiben und später wechseln?
Ja. Wer im Vorbereitungsdienst gesetzlich versichert bleibt, kann die Öffnungsaktion nach den Bedingungen des PKV-Verbands noch bei der Ernennung auf Probe nutzen, wieder binnen sechs Monaten. Den Kassenbeitrag tragen Sie bis dahin allein. Folgt keine Ernennung auf Probe, entfällt diese zweite Gelegenheit.
Bekomme ich schon in der Ausbildung die Zulage für vollzugspolizeiliche Aufgaben?
Ja, unter denselben Voraussetzungen wie ausgebildete Beamte, also wenn Sie in einem zulageberechtigten Bereich eingesetzt sind (Vorbemerkung Nr. 9 Abs. 2 zu Anlage I BBesG); die Höhe hängt von der Dienstzeit ab (Anlage IX BBesG). Für die Krankenversicherung ändert die Zulage nichts, denn der Bemessungssatz der Beihilfe hängt nicht vom Einkommen ab, sondern von Status und Familie.
Was passiert mit meiner Versicherung, wenn ich die Ausbildung abbreche?
Mit der Entlassung endet die Beihilfe. Ihr Versicherer muss den Schutz dann auf Antrag so erhöhen, dass der Wegfall ausgeglichen wird, ohne Risikoprüfung, wenn Sie den Antrag binnen sechs Monaten stellen (§ 199 Abs. 2 VVG). Werden Sie mit einer neuen Beschäftigung gesetzlich versicherungspflichtig, können Sie die private Versicherung binnen drei Monaten rückwirkend kündigen (§ 205 Abs. 2 VVG).
Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Vorschriften.
- Verordnung über den Vorbereitungsdienst für den mittleren nichttechnischen Zolldienst des Bundes (MntZollDVDV), zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 19 der Verordnung vom 11. März 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 67)
- Verordnung über den Vorbereitungsdienst für den gehobenen nichttechnischen Zolldienst des Bundes (GntZollDVDV) vom 19. Oktober 2023, geändert durch Art. 2 Abs. 33 der Verordnung vom 11. März 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 67)
- Zoll-Karriere: Ausbildung im mittleren Dienst (abgerufen am 12.10.2026)
- Zoll-Karriere: Duales Studium im gehobenen Dienst (abgerufen am 12.10.2026)
- Zoll-Karriere: FAQ (abgerufen am 12.10.2026)
- Merkblatt Einstellungs- und Tauglichkeitsuntersuchungen Zoll für Amtsärztinnen und Amtsärzte (Stand 25. Januar 2021), veröffentlicht über FragDenStaat
- Bundesbeihilfeverordnung, §§ 2, 6, 17 und 46
- Bundesverwaltungsamt: Merkblatt Einkommensgrenze für berücksichtigungsfähige Ehe- und Lebenspartner (Stand Januar 2026)
- Bundesverwaltungsamt: Ihre Beihilfestellen (abgerufen am 12.10.2026)
- DGB-Stellungnahme zum Referentenentwurf eines Bundesalimentationsgesetzes (6. Mai 2026)
- Sozialgesetzbuch V, §§ 6, 10 und 188
- Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026, § 2
- Versicherungsvertragsgesetz, §§ 19, 193, 199 und 205
- Sozialgesetzbuch XI, § 23
- PKV-Verband: Erleichterte Aufnahme in die Private Krankenversicherung für Beamte und deren Angehörige (Broschüre, Stand Januar 2026)
- PKV-Verband, privat-patienten.de: Privat krankenversichert als Studentin oder Student (Stand Juli 2026)
- Versicherungsaufsichtsgesetz, § 149
- Beamtenversorgungsgesetz, §§ 31, 33 und 38
- Bundesbeamtengesetz, § 37
- Bundesbesoldungsgesetz, Anlage I, Vorbemerkung Nr. 9, und Anlage IX