
Vollzugsdienstunfähigkeit: Folgen und Absicherung für Justizvollzugsbeamtinnen und -beamte
Wo es eine besondere Vollzugsdienstunfähigkeit gibt, was bei Laufbahnwechsel und Ruhestand passiert und was eine Dienstunfähigkeitsversicherung leisten muss.
Polizei, Feuerwehr und Vollzug
Beihilfe oder Heilfürsorge im Justizvollzug: was in Ihrem Land gilt, wann die PKV-Frist beginnt und was Vollzugsdienstunfähigkeit bedeutet.

Justizvollzugsbeamtinnen und Justizvollzugsbeamte arbeiten im allgemeinen Vollzugsdienst, im Werkdienst oder in der Verwaltung der Justizvollzugsanstalten; der allgemeine Vollzugsdienst arbeitet im Schichtdienst, auch an Wochenenden und Feiertagen. Dienstherr ist immer ein Land; Beihilfe, Heilfürsorge und Altersgrenzen richten sich deshalb nach Landesrecht.
Bei der Krankenversorgung ist der Justizvollzug im Umbruch. Lange war Beihilfe die Regel; inzwischen gewähren Baden-Württemberg, Sachsen und Hamburg Heilfürsorge, Baden-Württemberg nur auf eigene Erklärung. Für Ihre private Absicherung heißt das: zuerst klären, welches System für Sie gilt und welche Frist läuft.
Auf einen Blick
Seit 2020 haben drei Länder Heilfürsorge im Justizvollzug eingeführt, weitere diskutieren darüber: In Niedersachsen liegen Anträge im Landtag, Bremen hat sie im September 2026 abgelehnt, Berlin verweist auf die Haushaltslage. Nach unserer Prüfung der Gesetze gilt im Oktober 2026:
Die Wahl gilt für das ganze Berufsleben und muss vor der Ernennung fallen. Mit Heilfürsorge zahlen Sie im aktiven Dienst für sich selbst nur die Pflegepflichtversicherung und gegebenenfalls eine Anwartschaft; Wahlleistungen im Krankenhaus werden aber nur zur Hälfte erstattet und nur, wenn Sie den monatlichen Wahlleistungsbetrag zahlen.
Mit Beihilfe und PKV sind Sie von Anfang an Privatpatient, und der Tarif läuft im Ruhestand nahtlos weiter. Wer Heilfürsorge wählt, braucht für die Zeit danach eine Anwartschaft, denn mit dem Ruhestand endet die Heilfürsorge. Wir rechnen beide Wege für Ihre Situation durch und beraten Vollzugsbeamte telefonisch in allen 16 Ländern.
In Nordrhein-Westfalen setzt der Werkdienst eine Meister- oder Technikerprüfung voraus, der allgemeine Vollzugsdienst bei Hauptschulabschluss eine abgeschlossene Ausbildung. Bewerber für beide Laufbahnen beginnen in der Regel als Tarifbeschäftigte und werden innerhalb von drei Jahren in das Beamtenverhältnis auf Widerruf übernommen, regelmäßig vor dem 40. Geburtstag. Die zweijährige Ausbildung wechselt zwischen der Justizvollzugsschule und mindestens zwei Anstalten; danach folgt A 7.
Bis zur Verbeamtung sind Sie wie andere Arbeitnehmer versichert, meist gesetzlich. Erst mit dem Beamtenverhältnis auf Widerruf beginnt die Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion: keine Ablehnung wegen Vorerkrankungen, keine Leistungsausschlüsse, Risikozuschläge höchstens 30 %. Wer in dieser Zeit gesetzlich bleibt, hat mit der Ernennung auf Probe eine zweite Gelegenheit; mehr dazu unter PKV für Beamtenanwärter.
In Ländern mit Heilfürsorge gilt die Öffnungsaktion für eine Anwartschaftsversicherung, ebenfalls binnen sechs Monaten ab Beginn der Heilfürsorge. Wer bereits privat versichert ist und in die Heilfürsorge wechselt, kann den Vertrag als Anwartschaft fortführen (§ 204 Abs. 5 VVG).
Der Dienst mit Gefangenen stellt besondere gesundheitliche Anforderungen. Mehrere Länder wenden deshalb die Regeln zur Polizeidienstunfähigkeit auf den Vollzugsdienst entsprechend an, etwa Berlin (§ 107 Abs. 2 LBG), Brandenburg (§ 118 LBG), Bremen (§ 114 BremBG), Hessen (§ 114 HBG), Rheinland-Pfalz (§ 118 LBG) und Schleswig-Holstein (§ 114 LBG); das Saarland hat eine eigene Regel mit kürzerer Prognose (§ 132 Abs. 2 SBG). Dienstunfähig kann dann sein, wer diesen Anforderungen nicht mehr genügt, auch wenn er in der Verwaltung noch arbeiten könnte.
Eine private Dienstunfähigkeitsversicherung sollte diese besondere Dienstunfähigkeit ausdrücklich einschließen. Mehr dazu unter Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte.
Auch die Altersgrenze liegt im Vollzug oft früher: In Nordrhein-Westfalen treten Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes und des Werkdienstes mit 62 Jahren in den Ruhestand, auf Antrag ab 60 (§ 117 LBG NRW). Hessen und Sachsen übernehmen die Altersgrenze der Polizei (§ 114 HBG, § 143 SächsBG).
Heilfürsorge gilt nur für Sie selbst. Ehepartner und Kinder erhalten Beihilfe, Partner nur bis zu einer Einkommensgrenze, und brauchen einen privaten Restkostentarif; für sie gilt eine eigene Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion, sofern Sie selbst privat versichert sind oder eine Anwartschaft haben.
Auch mit Heilfürsorge ist eine private Pflegepflichtversicherung vorgeschrieben (§ 23 Abs. 4 SGB XI); in Sachsen trägt die Heilfürsorge bei privat Pflegeversicherten den Pflegesatz der Beihilfe, 50 % und ab zwei Kindern 70 % (§ 21 Abs. 2 SächsHfVO, § 57 Abs. 5 SächsBhVO). Mit dem Ruhestand endet die Heilfürsorge, danach gilt Beihilfe, und die Anwartschaft wird zum vollwertigen Tarif.
| Amt | Laufbahn | Typische Aufgaben |
|---|---|---|
| Justizvollzugsobersekretärin / Justizvollzugsobersekretär | mittlerer Dienst (in NRW Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt), A 7 | Einstiegsamt im allgemeinen Vollzugsdienst in NRW; in Baden-Württemberg beginnt der mittlere Dienst in A 8 |
| Justizvollzugshauptsekretärin / Justizvollzugshauptsekretär | mittlerer Dienst, A 8 | Beförderungsamt; Aufsicht, Betreuung und Versorgung der Gefangenen |
| Justizvollzugsamtsinspektorin / Justizvollzugsamtsinspektor | mittlerer Dienst, A 9 | Beförderungsamt, teils mit Amtszulage |
| Oberinspektorin / Oberinspektor im allgemeinen Vollzugsdienst | mittlerer Dienst, Beförderungsamt A 10 (NRW) | Beförderungsamt nach mindestens vier Jahren in A 9 oder Leitung des Vollzugsdienstes einer Anstalt |
| Amtfrau / Amtmann im allgemeinen Vollzugsdienst | mittlerer Dienst, Beförderungsamt A 11 (NRW) | Nach mindestens zwei Jahren in A 10 oder als Leitung des allgemeinen Vollzugsdienstes oder des Werkdienstes einer Anstalt |
| Oberwerkmeisterin / Oberwerkmeister | Werkdienst, A 7 | Einstiegsamt im Werkdienst (NRW); Meister oder Techniker, Leitung von Arbeitsbetrieben |
| Hauptwerkmeisterin / Hauptwerkmeister | Werkdienst, A 8 | Beförderungsamt; Ausbildung und Anleitung Gefangener |
| Vollzugsabteilungsleiterin / Vollzugsabteilungsleiter | gehobener Dienst | Leitung einer Vollzugsabteilung; in Sachsen ebenfalls heilfürsorgeberechtigt |
Die Bezeichnungen der Laufbahnen unterscheiden sich je nach Bund und Land.
Nur in einigen Ländern: in Sachsen und Hamburg vor allem für den Vollzugsdienst der Laufbahngruppe 1, in Baden-Württemberg auf schriftliche Erklärung vor der Ernennung. In den übrigen Ländern erhalten Vollzugsbeamte Beihilfe und versichern den Rest privat; in Sachsen-Anhalt behalten nur in den Vollzug versetzte Polizeivollzugsbeamte ihre Heilfürsorge.
Das hängt von Gesundheit, Familie und Ihren Ansprüchen an die Versorgung ab. Die Entscheidung ist unwiderruflich und fällt vor der Ernennung. Wählen Sie Heilfürsorge, gehört eine Anwartschaft für die Zeit nach dem Dienst dazu; wählen Sie Beihilfe, schließen Sie gleich einen Beihilfetarif ab.
Sie bleiben zunächst in der Beihilfe. Bis 31. März 2027 können Sie per Antrag in die Heilfürsorge wechseln. Tun Sie das, sollten Sie Ihre PKV nicht einfach kündigen, sondern als Anwartschaft fortführen (§ 204 Abs. 5 VVG), damit Alterungsrückstellung und Gesundheitszustand für den Ruhestand gesichert bleiben.
Ja. Heilfürsorgeberechtigte, die nicht in der sozialen Pflegeversicherung sind, müssen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen (§ 23 Abs. 4 SGB XI). Die Heilfürsorge trägt Pflegeleistungen nur anteilig, in Sachsen bei privat Pflegeversicherten 50 %, ab zwei Kindern 70 %.
Wer Beihilfe erhält, behält seinen PKV-Tarif; ändert sich im Ruhestand der Bemessungssatz, wird er angepasst (§ 199 VVG). Mit Heilfürsorge endet der Anspruch beim Eintritt in den Ruhestand, dann wird die Anwartschaft zum vollen Beihilfetarif. Ohne Anwartschaft entscheidet eine Gesundheitsprüfung.
Stand: Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Vorschriften.

Wo es eine besondere Vollzugsdienstunfähigkeit gibt, was bei Laufbahnwechsel und Ruhestand passiert und was eine Dienstunfähigkeitsversicherung leisten muss.

Heilfürsorge gibt es im Vollzug nur in drei Ländern. Wer sie erhält, was sie leistet, wo Sie wählen müssen und was das für Ihre private Absicherung heißt.

Im Vollzug endet der Dienst meist mit 62, teils mit 60. Was das für Ruhegehalt, Beihilfe und PKV bedeutet und wie Sie Ihre Absicherung darauf abstimmen.
Die Beihilfe richtet sich nach Ihrem Dienstherrn. Bemessungssätze, Heilfürsorge und pauschale Beihilfe unterscheiden sich zwischen Bund und Ländern. Wählen Sie Ihren Dienstherrn: